Momentaufnahmen

Donnerstag, 29. September 2005

Vergessene Erinnerungen

oder: Sonntagmorgentraeume

Sie zog sich die Decke über den Kopf und genoss die Wärme des Bettes. Es war ja schließlich noch früh und so konnte sie es sich leisten ein wenig liegen zu bleiben und Halbschlafträumen hinterher zu hängen.
Sie schloss die Augen und schwebte davon, in einem nicht genau zu definierenden Zustand zwischen wach sein und schlafen, nachdenken und träumen, erinnern und vergessen.
Sie sah sich selbst, wieder zuhause, wieder bei ihrer Mutter, mit ihren alten Freunden. Sah sich, wie sie mit ihrem kleinen Bruder fangen spielte, wie sie lachte, weinte, schrie und brüllte und nie unzufrieden war. Seufzend drehte sie sich im Bett um.

Sie träumte.

Sie war in ihrem Garten, wo die Blumen immer so schön geblüht hatten, selbst im Winter, gelbe, rote und rosa Tupfer im Schnee. Wo sie gebadet hatten und getobt.
Sie träumte das Gefühl der kleinen glitzernden Wasserperlen auf ihrer Haut, wenn sie an heißen Sommertagen Wasserschlachten gemacht hatten. Erlösende Erfrischung.
Wie feiner Regen an einem milden Sommertag. . . und der Duft von Vernel.

Sie erinnerte sich wie sie im Winter einen Engel im Schnee gesehen hatte, wie sie verwundert gewesen war und überzeugt davon, dass dort ein echter Engel gelegen haben musste und wie ihre Mutter ihr beigebracht hatte selbst einen zu machen. Auch wenn sie wusste, dass ihre Engel nur schlechte Imitationen des echten Schneengels waren.
Sie sah sich selbst, wie sie abends am Fenster saß, im Kerzenlicht, und träumte und wartete, auf den Engel, der sich sicher noch einmal blicken lassen würde. Wie sie einschlief, mit dem Kopf ans Fenster gelehnt und glücklich lächelnd.
Sie roch noch einmal die Gerüche des Frühlings, die etwas von einem Neuanfang hatten und von Liebe, die die Luft erfüllte. Sie sah den rosa Frühlingshimmel und sich selbst, klein und tapsig, wie sie spazieren ging an der Hand ihrer Mutter, mit dem kleinen gelben Lieblingskleidchen.

Sie umarmte ihre kleine Plüschente, die gar nicht so klein war, sondern fast so gross wie sie selbst und mit der sie wichtige Gespräche führte.
Sie träumte von Hüpfern und von Sprüngen, von Dreck und Schlammschlachten, von Bädern und vom Strand.

Und als sie aufwachte, war sie nicht sicher, ob sie nur geträumt oder sich erinnert hatte.
Sie wusste nicht, ob all dies vergessene Erinnerungen oder etwa nur Halbschlafträume waren;

Aber im Grunde, dachte sie, während sie sich anzog und ihrem öden, immer gleichen Alltag entgegen ging, ist das doch gar nicht so wichtig.
Einen Fetzen Glück, einen kleinen Fetzen nur, wollte sie aus ihren Träumereien mit in den Tag nehmen.

Dienstag, 27. September 2005

Von Ehrgeiz und Lustlosigkeit

Ich will Autorin werden! ruft mein Ehrgeiz aergerlich und setzt sich vor den PC um endlich mit dem Schreiben weiter zu machen.
Ich hab aber grad keine Lust. haelt die Lustlosigkeit, in spontaner Solidaritaet mit ihrem Namen dagegen. Dabei wirft sie einen sehnsuchtsvollen Blick auf das Bett.
Wie eintoenig du bist, immer dieselbe Leier. Nu raff dich doch mal auf! der Ehrgeiz laechelt ermutigend und oeffnet die aktuellste Schreib-idee-datei.
Ooch, muss das denn jetzt sein ? Wir haben doch noch den ganzen Tag Zeit. Guck doch erst mal was so im Fernsehen kommt! Auf ihre ganz eigene Art und Weise ist die Lustlosigkeit auch irgendwie ehrgeizig. Wenn sie erst mal ein Ziel hat - in diesem (und fast jedem anderen) Fall das in die Roehre glotzen - gibt sie nicht so schnell auf.
Anstatt unsere Zeit mit streiten zu vergeuden koennten wir schon laengst am Schreiben sein! noergelt der Ehrgeiz und zieht eine Schmollgrimasse.
- Ja, oder gemuetlich vorm Fernseher sitzen!
- Faengt das schon wieder an ?
- Wir haben doch noch Zeit, wir sind doch noch sooo jung.
- Du bist ein faules Stueck! Niemals wirst du irgendwas auf die Reihe kriegen, niemals!
- Was glaubst denn du, wenn du dich hier hinsetzt und dumme Texte schreibst wirst du mal beruehmt? Ganz schoen ingebildet!
- Das glaube ich ja nicht, jetzt wirst du auch noch frech mit deiner Faulheit!
- Ich bin gar nicht faul, ich hab nur jetzt, in diesem Moment, grad ueberhaupt keine Lust!


Und damit das nicht ewig so weitergeht, trenne ich die beiden, greife zu einem Buch und lese lieber - anstatt zu schreiben. Ersticke ihre Stimmen die rufen So wird nie was aus dir! und Schon wieder lesen? in den Geschichten meiner imaginaeren Wegbegleiter, bis es Zeit geworden ist, alles auf morgen zu verschieben.

Montag, 26. September 2005

Ein Moment der bleibt

Das ist er, der Augenblick, auf den ich den ganzen Abend schon gewartet habe. Eigentlich sogar schon die ganze Woche, wenn nicht mein ganzes Leben lang. Ich habe mich vorbereitet, indem ich mein bestes Kleid angezogen und viele Stunden im Bad verbracht habe, mich schminkend. Zumindest habe ich das versucht. Ich habe mein Bestes gegeben und, zumindest scheint es so, meine Anstrengung hat Fruechte getragen! Jetzt ist er da, der Augenblick, der schoenste und aufregenste meines Lebens. Deine Hand in meiner, aus deiner Initiative, ich habe mich gar nicht geruehrt sondern dich einfach machen lassen und du hast meine Hand genommen und sie festgehalten, einfach so, ohne viele Worte.
Es ist, als waere ich endlich in den Hafen eingefahren, nach einer langen stuermischen Nacht auf See. Auch wenn es nicht, oder noch nicht, der Hafen der Ehe ist, so gibt er mir doch Schutz und endlich die Moeglichkeit, festes Land zu betreten. In mir breitet sich Euphorie aus und ich kann mir ein begluecktes Laecheln nicht verkneifen. Aber vielleicht ist das ja auch gut so, dann siehst du wenigstens, dass deine Geste mich gluecklich gemacht hat und dass ich deine Gefuehle teile. Warum bin ich bloss immer noch so unsicher? Hier ist er doch endlich der Beweis auf den ich so lange gewartet habe. Du liebst mich, genau so, oder zumindest aehnlich, wie ich dich! Schon sehe ich Haus und Kinder auf uns zu eilen und eine glueckliche Zukunft, bis dass der Tod uns scheidet. Und auch der wird uns nicht scheiden, denn wenn wir schon sterben muessen, so werden wir dies zusammen tun! Nie mehr werden wir allein sein sondern unser ganzes Leben in intimer Zweisamkeit verbringen. Dein warmer Haendedruck sagt Alles, mehr brauche ich gar nicht, das ist das Ende meiners Todes und der Anfang meines Lebens.
Dies ist der Moment, der mein - und dein - Leben fuer immer veraendern wird, der uns zusammenschweissen wird wie zwei Eisenteile.

Doch als ich deinen Blick auffange, erstarrt mein Herz zu Eis. Du schaust mich an mit schwerer Traurigkeit und nicht mit Liebe. Du sagst mir, dass du traurig bist, weil deine grosse Liebe dich nicht wieder liebt. Du sagst, du brauchest meinen Trost und meinen Beistand, meine Kraft und meinen Mut. Du sagst, ich sei dein einziger Halt in dieser Welt, die vor deinen Augen verschwaemme.
Und ich verstehe dich. Was du sagst, sind gestohlene Worte, denn sie koennten auch aus meinem Munde kommen. Ich moechte weinen, schreien, bruellen und mich von meinem Schmerz befreien. Doch da ist noch immer deine Hand, die mich, nicht liebevoll, nein, hilfesuchend festhaelt und mich mit mit dir in den Abgrund zieht.
Ist denn die Liebe tot? Trifft denn Cupidos Pfeil nur um Leid zu erwecken?

Dies ist er, der Augenblick, der mein ganzes Leben veraendern wird. Der Augenblick, in dem ich lerne, lernen muss, was Schmerz ist und Verlust. Verlust von etwas, was ich niemals besessen, sondern immer nur getraeumt, ertraeumt, habe.

Experimente einer jungen Schreiberline

O NO! Meine Feder hat sich selbststaendig gemacht!!

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