Maerchengeschichten

Dienstag, 1. November 2005

Spaziergang

Herbst. Blätter fallen vom Tode berührt zu Boden und hinterlassen ein traurig kahles Bild nackter Bäume. Ich gehe spazieren, um meiner Gedankenwelt zu entfliehen. Zuviele die Erinnerungen, die auf mich einströmen, wenn ich zu Hause vor dem Schreibtisch hocke. Der Versuch, zu schreiben scheitert; Meine Erinnerungen an dich wollen mich einfach nicht los lassen. Die Gedanken sind frei! rufen sie, und entziehen sich damit aller Kontrolle. So gehe ich nun unter dem herbstlichen Winterhimmel meiner einsamen Wege. Ich beschleunige meine Schritte, versuche, den geistigen Ballast abzuhängen, um endlich allein sein zu können.
Doch es ist mir unmöglich, mich von deiner Abwesenheit zu befreien. Sie umklammert meine Brust und nimmt mir den Atem, wie es einst deine Anwesenheit tat. Kann ich etwa ohne deine Unterdrückung, deine Qual und deinen Schmerz nicht mehr leben? Ich bekomme Angst. Angst vor der Verrücktheit, die mich ergriffen hat. Der Geruch deines Schweißes, dein keuchender Atem, dein erhitzter Blick verfolgen mich und wecken die alte Furcht in mir. Werde ich dir jemals entfliehen?

Während ich so laufe kitzelt ein Duft von Sommer meine Nase, inmitten dieser herbstlichen Welt. Nostalgisch denke ich zurück an ferne Kindertage, als der Sommerduft noch Wildheit in mir weckte. In meinen Ohren klingt unser altes Kinderlied und ich summe leise vor mich hin.
Ringel rangel rose butter in der dose.
Doch ich bin nicht mehr allein. Ein altbekanntes Stimmchen hat sich zu dem Duft gesellt. Schmalz in den kasten morgen wolln wir fasten summt es im Einklang mit mir.
Ich halte an, sehe mich um, bin allein auf dem frostigen Weg. Übermorgen lämmlein schlachten das soll schreien mäh. Als komme es aus dem Nichts, schwirrt das Stimmchen durch den Wald. Es hallt wider an der kalten Winterluft, um dann im Frühlingshimmel zu verklingen. Mit gesenktem Kopf gehe ich weiter Richtung Heimat, auf der Suche nach dem Vergessen.
Es gibt kein Vergessen sagt das Stimmchen neben mir und als ich mich umdrehe, sehe ich sie endlich. An meiner Seite trippelt ein kleines Mädchen mit langem blondem Haar das dem Meinigen gleicht. Auf dem Kopf trägt sie einen Blumenkranz, der nach Sommer riecht. Unsichtbar sind die Abdrücke ihrer schwebenden Füßlein und sie summt noch immer mein Liedchen vor sich hin. Die Leichtigkeit in ihrem Gang und ihrer Stimme macht mich traurig und schwer. Es gibt kein Vergessen.
"Wo warst du so lange?" frage ich das kleine Mädchen vorwurfsvoll. Sie aber antwortet nicht, lacht nur glockenhell. Wut packt mich und ich schreie mit schriller Stimme: "Wo warst du so lange?" Meine kleine Begleiterin hüpft unbekümmert neben mir her.
Wie alt ich bin. Verbraucht. Müde. Leer. Kalt. Finster. Dunkelheit bricht über mich herein. "Du hast mich einfach allein gelassen" sage ich leise. Tränen kullern meine Wangen herunter. Ich war die ganze Zeit hier. Aber du wolltest vergessen.
Ich bleibe stehen, setze mich auf einen Baumstumpf, lasse den Tränen freien Lauf. Das Mädchen legt seine Hand auf meinen Kopf. Komm jetzt, gehen wir nach Hause, nun hast du mich ja wiedergefunden. Als ich in ihr liebliches Gesichtchen sehe, finde ich die Kraft aufzustehen, noch vorn zu sehen, meinen Weg fortzusetzen.
Meine kleine Begleiterin leuchtet mir mit dem Licht ihrer Fröhlichkeit. Ein Licht so hell, dass es meine Schatten vertreibt und selbst in meiner Seele ein kleines, längst verlorenes Lichtlein anzündet.
Ich nehme das Mädchen mit nach Hause und im Traum vereinen wir uns. Ohne das Vergessen kann ich endlich wieder frei sein.

Montag, 3. Oktober 2005

Ein Baby das vom Himmel fiel II

Ich bin nicht wie andere Kinder. Meine Freunde sind nicht wie ich. Wir sind so unterschiedlich, dass es eigentlich schon schwer ist, sie als Freunde zu bezeichnen. Wie koennen sie Freunde sein, wenn sie gar nicht wissen, wer ich bin, woher ich komme ?
Sie alle haben eine Mutter, oder hatten mal eine, selbst wenn sie sich nicht an sie erinnern.

Wenn wir morgens zur Schule gehen, reden sie und lachen und ich rede und lache mit ihnen. Aber ich bin eigentlich gar nicht da. Mit meinen Gedanken. Mit meinem Koerper. Mein Koerper fuehlt noch immer die Waerme, die mich umgab und die mich dann, ganz ploetzlich, verliess, als ich fiel fiel fiel fiel fiel fiel fiel fiel fiel und der Wind wehte gegen meinen nackten Ruecken und ich schrie nicht und muckste nicht und lachte nicht und tat eigentlich gar nichts sondern horchte nur auf das swuuusch wuusch wuaahh des Windes, der meinen Po liebkoste und meine Ohren wedeln liess waehrend ich fiel fiel fiel und ueber mir nur die Weite des Himmels und unter mir nur die Erde, die auf mich wartete, mir entgegensauste mit einer angsteinfloessenden Geschwindigkeit und mir drohte.
Ich gehoere hier nicht her, ich bin anders und die Erde wollte mich nicht, von Anfang an. Sie wartete auf mich, damit sie mich morden konnte mit ihren Klippen und Felsen wollte sie meine Haut einritzen bis das Blut spritzte und mein kleines unschuldiges Herzchen aufhoerte zu schlagen, doch sie konnte nicht, konnte nicht, weil da Pietro war, mein Vater, ja, mein Vater ist er, denn er hat mir das Leben geschenkt, als er mich vor dem grausamen Empfang der Erde bewahrte und mich mit seinen grossen rissigen Haenden auffing.
Zu Unrecht bin ich hier, in einer Welt die nicht die meine ist, in einer Zeit, die nicht die meine ist, mit Menschen, die nicht sind wie ich und es niemals sein werden.

Montag, 26. September 2005

Ein Baby das vom Himmel fiel

Liebes Tagebuch,

Pietro ist der beste Vater, den ich mir vorstellen kann. Auch wenn ich natuerlich weiss, dass er eigentlich gar nicht mein richtiger Vater ist. Und seltsam ist es auch, dass ich keine Mutter habe. Eigentlich habe ich ja ueberhaupt keine Eltern wenn man's sich genau ueberlegt. Der Gedanke macht mich traurig.
Woher komme ich eigentlich? Wer bin ich ?
In der Schule habe ich gelernt, dass die Kinder ganz viel von ihren Eltern erben, durch das DAN heisst das glaub ich. Das wird alles schon vor der Geburt festgelegt.
Ich bin aber anders, auch wenn ich das niemandem sagen darf. Ich bin gar nicht richtig geboren worden sondern einfach so vom Himmel gefallen. Lustige Vorstellung. Wie die wohl alle geguckt haben, als ich da so runtergesaust kam ? Schade, dass ich mich nicht mehr erinnern kann.

Sonntag, 25. September 2005

Das Spiegelbild

"Guten Morgen" habe ich heute Morgen zu meinem Spiegelbild gesagt. Aber es hat mir, wie so oft, nicht geantwortet.
Da ich das so unhoeflich fand, habe ich mich also umgedreht und es nicht weiter beachtet. Wer nicht mal auf einen morgendlichen Gruss antwortet, ist keiner Beachtung wert.
Aber mein Spiegelbild ist leider nicht nur unhoeflich, sondern auch ganz schoen hartnaeckig. Den ganzen Tag hat es mich verfolgt, wo ich auch hinging, meinem Spiegelbild konnte ich nicht entfliehen. Nicht, als ich den tollen Schmuck im Schaufenster des Modeladens betrachtete, nicht als ich die Fenster putzte und auch nicht, als ich mich auf den Steg setzte, um in Ruhe ein Eis zu essen.
Da hatte ich aber genug. "Was willst du, du olles Spiegelbild?" fragte ich es herausfordernd. Es guckte mich nur zornig an und antwortete mal wieder nicht. Ich schnaubte leise vor Wut und warf mein Eis ins Wasser, da war mein Spiegelbild ploetzlich verschwunden.
Eine Sekunde lang stand ich doch tatsaechlich ohne mein Spiegelbild da und fuehlte mich dabei so einsam, dass ich unendlich erleichtert war, als es einen Augenblick spaeter wieder da war.
So nervzerreissend es auch manchmal sein mag, ohne mein Spiegelbild moechte ich trotz allem nicht sein !

Experimente einer jungen Schreiberline

O NO! Meine Feder hat sich selbststaendig gemacht!!

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Schöööön.....
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Knutsch_kugel - 29. Nov, 17:26

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