Montag, 26. September 2005

Ein Baby das vom Himmel fiel

Liebes Tagebuch,

Pietro ist der beste Vater, den ich mir vorstellen kann. Auch wenn ich natuerlich weiss, dass er eigentlich gar nicht mein richtiger Vater ist. Und seltsam ist es auch, dass ich keine Mutter habe. Eigentlich habe ich ja ueberhaupt keine Eltern wenn man's sich genau ueberlegt. Der Gedanke macht mich traurig.
Woher komme ich eigentlich? Wer bin ich ?
In der Schule habe ich gelernt, dass die Kinder ganz viel von ihren Eltern erben, durch das DAN heisst das glaub ich. Das wird alles schon vor der Geburt festgelegt.
Ich bin aber anders, auch wenn ich das niemandem sagen darf. Ich bin gar nicht richtig geboren worden sondern einfach so vom Himmel gefallen. Lustige Vorstellung. Wie die wohl alle geguckt haben, als ich da so runtergesaust kam ? Schade, dass ich mich nicht mehr erinnern kann.

Steitgespraech II

(was danach geschah)

Sie: Bist du noch sauer?

Er: Nein. Ich war auch eigentlich gar nicht sauer.

Sie: Wie du warst nicht sauer ? Du hast mich voll bloede angemacht.

Er: Ich hab dich doch nur gefragt, warum du nicht angerufen hast. Wieso hast du dich denn gleich angegriffen gefuehlt ?

Sie: Wahrscheinlich hatte ich ein kleines schlechtes Gewissen...

Er: Du haettest dich doch nur entschuldigen brauchen.

Sie: Naja, entschuldigen. Wofuer denn ?

Er (grinsend): Wenn schon nichts anderes, dann einfach, um den Hausfrieden gerade zu halten.

Sie(grinsend): Wahrscheinlich hast du recht.

Und am Ende liebten sie sich doch und lebten gluecklich und zufrieden (mehr oder weniger) bis an das Ende ihrer Tage...

Ein Moment der bleibt

Das ist er, der Augenblick, auf den ich den ganzen Abend schon gewartet habe. Eigentlich sogar schon die ganze Woche, wenn nicht mein ganzes Leben lang. Ich habe mich vorbereitet, indem ich mein bestes Kleid angezogen und viele Stunden im Bad verbracht habe, mich schminkend. Zumindest habe ich das versucht. Ich habe mein Bestes gegeben und, zumindest scheint es so, meine Anstrengung hat Fruechte getragen! Jetzt ist er da, der Augenblick, der schoenste und aufregenste meines Lebens. Deine Hand in meiner, aus deiner Initiative, ich habe mich gar nicht geruehrt sondern dich einfach machen lassen und du hast meine Hand genommen und sie festgehalten, einfach so, ohne viele Worte.
Es ist, als waere ich endlich in den Hafen eingefahren, nach einer langen stuermischen Nacht auf See. Auch wenn es nicht, oder noch nicht, der Hafen der Ehe ist, so gibt er mir doch Schutz und endlich die Moeglichkeit, festes Land zu betreten. In mir breitet sich Euphorie aus und ich kann mir ein begluecktes Laecheln nicht verkneifen. Aber vielleicht ist das ja auch gut so, dann siehst du wenigstens, dass deine Geste mich gluecklich gemacht hat und dass ich deine Gefuehle teile. Warum bin ich bloss immer noch so unsicher? Hier ist er doch endlich der Beweis auf den ich so lange gewartet habe. Du liebst mich, genau so, oder zumindest aehnlich, wie ich dich! Schon sehe ich Haus und Kinder auf uns zu eilen und eine glueckliche Zukunft, bis dass der Tod uns scheidet. Und auch der wird uns nicht scheiden, denn wenn wir schon sterben muessen, so werden wir dies zusammen tun! Nie mehr werden wir allein sein sondern unser ganzes Leben in intimer Zweisamkeit verbringen. Dein warmer Haendedruck sagt Alles, mehr brauche ich gar nicht, das ist das Ende meiners Todes und der Anfang meines Lebens.
Dies ist der Moment, der mein - und dein - Leben fuer immer veraendern wird, der uns zusammenschweissen wird wie zwei Eisenteile.

Doch als ich deinen Blick auffange, erstarrt mein Herz zu Eis. Du schaust mich an mit schwerer Traurigkeit und nicht mit Liebe. Du sagst mir, dass du traurig bist, weil deine grosse Liebe dich nicht wieder liebt. Du sagst, du brauchest meinen Trost und meinen Beistand, meine Kraft und meinen Mut. Du sagst, ich sei dein einziger Halt in dieser Welt, die vor deinen Augen verschwaemme.
Und ich verstehe dich. Was du sagst, sind gestohlene Worte, denn sie koennten auch aus meinem Munde kommen. Ich moechte weinen, schreien, bruellen und mich von meinem Schmerz befreien. Doch da ist noch immer deine Hand, die mich, nicht liebevoll, nein, hilfesuchend festhaelt und mich mit mit dir in den Abgrund zieht.
Ist denn die Liebe tot? Trifft denn Cupidos Pfeil nur um Leid zu erwecken?

Dies ist er, der Augenblick, der mein ganzes Leben veraendern wird. Der Augenblick, in dem ich lerne, lernen muss, was Schmerz ist und Verlust. Verlust von etwas, was ich niemals besessen, sondern immer nur getraeumt, ertraeumt, habe.

Streitgespraech

Er: Du bist aber spaet dran.
Sie: Ja, ich habe Mark noch geholfen.
Er: Ich hab mir ganz schoen Sorgen gemacht, weil du nicht angerufen hast.
Sie: Ich hatte mein Handy leider nicht dabei. Sonst haette ich dich natuerlich angerufen.
Er: Wenn du's dabei gehabt haettest, haette ich dich angerufen.
Sie: Du haettest ja auch bei Mark anrufen koennen, du hast doch seine Nummer.
Er: Hab ich ja versucht, aber er hatte kein Netz.
Sie: Ach so.
Er: Haettest du nicht sein Handy nehmen und mir eben Bescheid sagen koennen ?
Sie: Na, du konntest dir ja auch denken, dass ich ihm noch helfe. Ausserdem hab ich gedacht, wenn du dir Sorgen machst, wirst du schon bei ihm anrufen. Du wusstest doch, dass ich mit ihm zusammen war.
Er: Hab ich ja versucht.
Sie: Ich konnte ja nicht wissen, dass Mark kein Netz hatte.
Er: Ja, es war dir ja anscheinend auch egal.
Sie: Du machst das doch auch immer so.
Er: Wie bitte ?
Sie: Wenn du zu spaet kommst und ich mach mir Sorgen, sagst du doch immer..
Er: Du kannst mich dann ja anrufen !
Sie: Genau. Und dasselbe hab ich halt auch gedacht.
Er: Das ist aber was ganz anderes !!
Sie: Wieso das denn ?
Er: Weil ich sowas staendig mache, du aber nie.
Sie: Ach so. Du darfst also, und das auch noch "staendig", aber ich darf nicht, oder was ? Das ist ja echt toll.
Er: Bei mir gibt's ja auch hundert Moeglichkeiten, wo ich sein koennte.
Sie: Genau. Das ist doch viel schlimmer. Bei mir gab's heute nur eine: Ich war mit Mark noch im Buero !
Er: Dir ist es doch scheissegal wenn ich mir Sorgen mache !
Sie: Na, dir doch auch. Da siehst du mal wie das ist. Und du machst sowas fast jeden Tag !
Er: Ich bin ja auch schon 26 und du erst 20.
Sie: Was soll das denn heissen, he ? Ich bin auch kein Kind mehr !!

Tuerenknallend stuermt sie aus dem Zimmer.


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