Sonntag, 25. September 2005

Im Auto

Dunkelheit. Die leisen Geraeusche des Autos huellen mich in ein Gewand aus Schlaefrigkeit. Ich frage mich, ob meinem Kollegen die Stille zwischen uns unangenehm ist. Ich finde es entspannend, wer will schon reden nach einem langen Arbeitstag?
Ich bin in meine eigene Gedankenwelt versunken. Obwohl, wenn ich darueber nachdenke, eigentlich denke ich gar nichts. Ich geniesse nur den Blick aus dem Fenster, der mir das Meer zeigt, wie es ruhig da liegt in der Dunkelheit, ganz glatt, fast wie ein Samthandtuch.
Maik macht das Radio an. Vielleicht ist ihm die Stille doch unangenhem? Dabei finde ich es so schoen. Es ist schwierig, jemanden zu finden, mit dem man einfach nur schweigen kann. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Maik das auch mag. Der Zweifel beginnt in meinem Kopf zu nagen und ich werde immer unsicherer. Vielleicht ist es doch besser, ueber irgendwas zu reden.
Nun beginnt in meinem Kopf die unausweichliche fieberhafte Suche nach einem Gespraechsthema. Wo ich doch so froh war, dass ich mir das ersparen konnte. War wohl nichts. Da, da ist sie, die Idee.
"Musst du morgen auch wieder frueh aufstehen?" frage ich, in meinem besten Small-talk-Ton, aber der ist nun mal einfach nicht mein Ding. Maik laechelt leise. "Geht so, muss um halb neun losfahren." antwortet er. Und jetzt? "Na, das geht ja. Obwohl, da musst du ja schon um acht aus den Federn." "Ja, so ungefaehr"
Und damit ist meine Gespraechsidee ausgeschoepft. Ich weiss einfach nicht, worueber ich mit ihm reden soll, hab auch keine Lust auf ein anspruchsvolles Gespraech um diese Uhrzeit.
Ausserdem, wenn ihm die Stille unangenehm ist, kann er ja auch mal was sagen. Vielleicht leuge ich mit meinem Verdacht ja auch voellig falsch.
Damit sinke ich in meine Gedankenwelt zurueck. Die vorbeirauschenden Autos haben irgendwie eine hypnotisierende Wirkung auf mich. Es ist auch so schoen warm hier im Auto.
Maik sagt irgendwas. Ich hab aber leider nur "schenken" und "Mama" verstanden, und weiss grad nicht, was ich darauf antworten soll.
"Wann ist denn ihr Geburtstag?" frage ich. Er guckt mich irgendwie verstoert an. "Nein, ich will ihr einfach nur so etwas schenken, weiss aber nicht was."
"Ach so.", Mist, falsch verstanden. "Das ist aber eine nette Idee" sage ich noch, und mir wird sofort bewusst, dass das irgendwie fehl am Platz war. Meine Sehnsucht nach einem Geschenk "einfach so" hat da wohl aus mir gesprochen. Dabei hatte ich doch vor kurzem erst Geburtstag und bin mit Geschenken nur so ueberhaeuft worden. Aber ein Geschenk "einfach so" hat halt einen ganz anderen Stellenwert. Vielleicht sind wir Frauen auch nur unverbesserlich, was Geschenke angeht.
Ein Geschenk fuer seine Mutter faellt mir allerdings auch nicht ein, so ist auch dieses Gespraech schon wieder beendet. Langsam wird mir das zu anstrengend, zum Glueck klingelt Maiks Mobiles. Das Problem waere also fuer den Moment geloest.
Seine Frau ist am Apparat und nach kurzer Zeit sind die beiden mitten in einer heftigen Diskussion. Obwohl es mit eigentlich peinlich ist, komme ich nicht drumherum, zuzuhoeren. Sie will Freunde zur Uebernachtung einladen aber er ist muede und hat keine Lust auf Gaeste. Ich kann ihn wirklich gut verstehen und finde es irgendwie schade, dass seine Frau dies nicht kann. Gestern hatte er schliesslich eine 24-Stunden Schicht und ist dann heute, direkt danach, hierher gekommen um, nach nur einer Stunde Mittagschlaefchen, bis abends weiter zu arbeiten. Da will man doch wenn man nach Hause kommt seine Ruhe haben. Sie laesst aber nicht locker. Maik tut mir irgendwie leid, mit einer so verstaendnisloes Frau. Ich will sie mal sehen, wenn sie zwei Tage am Stueck arbeiten muesste. Sie wuerde wahrscheinlich in Ohnmacht fallen vor lauter Ueberanstrengung.
Als er auflegt, sage ich natuerlich nichts, sonder versuche so zu tun, als haette ich nichts gehoert. Ich will mich ja nicht einmischen. Aber Mark scheint meine Anspannung zu spueren (ist er wirklich so sensibel?) und sagt:" Sie will Freunde zum Uebernachten einladen, ich hab aber keine Lust." und, nach einer kurzen Pause:" Ich bin schliesslich muede und will mich nur ein wenig aufs Sofa schmeissen und dann ins Bett gehen"
"Ich verstehe dich" und das tue ich auch wirklich.
Mark sieht mich dankbar an. Und ploetzlich ist die Stille zwischen uns anders, nicht mehr peinlich, sondern leicht und luftig. Beide laecheln wir und fuehlen uns einander naeher als jemals zuvor. Jetzt bin ich seiner Frau irgendwie dankbar. Wie doch ein kleines, ehrlich gemeintes Saetzchen so viel veraendern kann.

Auf der Suche nach dem Knofi

Oh Mann, warum hab ich mich darauf bloss eingelassen, fragte sie sich. Sie gab einen Furz auf die Integration wenn so etwas dabei herauskam !! Den Knoblauch in grossen Stuecken in die Tomatensosse geben und dann, wenn sie fertiggekocht ist, wieder heraussuchen ! Der totale Schwachsinn. Nun stand sie da, Loeffel in der Hand, von Tomatensossenspritzern uebersaet und suchte, ruehrte, loeffelte, schob und ruehrte die Tomatenstueckchen herum um diese verdammten Knoblauchstuecke wiederzufinden. Sie waren verschwunden, hatten sich ihrer Umgebung vollstaendig angepasst, weit und breit kein Tuepferchen von Weiss zu entdecken. Der Knoblauch war verschwunden !
Sie wischte sich ueber die Stirn. Einen Moment verschnaufen, einen Moment nur. Diese Suche gestaltete sich ganz schoen anstrengend, bei dem niedrigen Herd. Ausserdem war ja so was von heiss in ihrer winzigen Kueche. Dabei war sie doch eigentlich fertig ! Die Sosse war fertig, die Nudeln warteten schon seit einer ganzen Weile darauf, endlich "besosst" zu werden. Um ehrlich zu sein, war es sogar hoechste Zeit, sie wurden naemlich schon ganz klebrig.
Wenn nur dieser bloede Knofi endlich mal ein Lebenszeichen von sich geben wuerde ! Diesen spezial-Trick wuerde sie nie wieder anwenden, das schwor sie sich.
Und damit gab sie, gab die Sosse zu den Nudeln, ruehrte und befoerderte das gericht auf die Teller. Dann musste eben jeder selber beim Essen seine Knoblauchstuecke suchen, ihr war das fuer heute erstmal egal.

Das Spiegelbild

"Guten Morgen" habe ich heute Morgen zu meinem Spiegelbild gesagt. Aber es hat mir, wie so oft, nicht geantwortet.
Da ich das so unhoeflich fand, habe ich mich also umgedreht und es nicht weiter beachtet. Wer nicht mal auf einen morgendlichen Gruss antwortet, ist keiner Beachtung wert.
Aber mein Spiegelbild ist leider nicht nur unhoeflich, sondern auch ganz schoen hartnaeckig. Den ganzen Tag hat es mich verfolgt, wo ich auch hinging, meinem Spiegelbild konnte ich nicht entfliehen. Nicht, als ich den tollen Schmuck im Schaufenster des Modeladens betrachtete, nicht als ich die Fenster putzte und auch nicht, als ich mich auf den Steg setzte, um in Ruhe ein Eis zu essen.
Da hatte ich aber genug. "Was willst du, du olles Spiegelbild?" fragte ich es herausfordernd. Es guckte mich nur zornig an und antwortete mal wieder nicht. Ich schnaubte leise vor Wut und warf mein Eis ins Wasser, da war mein Spiegelbild ploetzlich verschwunden.
Eine Sekunde lang stand ich doch tatsaechlich ohne mein Spiegelbild da und fuehlte mich dabei so einsam, dass ich unendlich erleichtert war, als es einen Augenblick spaeter wieder da war.
So nervzerreissend es auch manchmal sein mag, ohne mein Spiegelbild moechte ich trotz allem nicht sein !

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O NO! Meine Feder hat sich selbststaendig gemacht!!

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