Dienstag, 13. Dezember 2005

Ein leeres Blatt Papier

Ein leeres Blatt Papier
ist so ein undankbares Ding
Ganz leer und rein
so liegt es da
und grinst mich haemisch an
Es lacht
es grient
es kichert
faucht
und fletscht gar fuerchterlich
da nehm ich es
zerreiss ich es
zerbeiss ich es
und schmeiss es in den Muell
den ich mit solch bedeppertem Papier
schon seit ganzen Wochen fuell

copyright Anna Dreher

Dienstag, 1. November 2005

Spaziergang

Herbst. Blätter fallen vom Tode berührt zu Boden und hinterlassen ein traurig kahles Bild nackter Bäume. Ich gehe spazieren, um meiner Gedankenwelt zu entfliehen. Zuviele die Erinnerungen, die auf mich einströmen, wenn ich zu Hause vor dem Schreibtisch hocke. Der Versuch, zu schreiben scheitert; Meine Erinnerungen an dich wollen mich einfach nicht los lassen. Die Gedanken sind frei! rufen sie, und entziehen sich damit aller Kontrolle. So gehe ich nun unter dem herbstlichen Winterhimmel meiner einsamen Wege. Ich beschleunige meine Schritte, versuche, den geistigen Ballast abzuhängen, um endlich allein sein zu können.
Doch es ist mir unmöglich, mich von deiner Abwesenheit zu befreien. Sie umklammert meine Brust und nimmt mir den Atem, wie es einst deine Anwesenheit tat. Kann ich etwa ohne deine Unterdrückung, deine Qual und deinen Schmerz nicht mehr leben? Ich bekomme Angst. Angst vor der Verrücktheit, die mich ergriffen hat. Der Geruch deines Schweißes, dein keuchender Atem, dein erhitzter Blick verfolgen mich und wecken die alte Furcht in mir. Werde ich dir jemals entfliehen?

Während ich so laufe kitzelt ein Duft von Sommer meine Nase, inmitten dieser herbstlichen Welt. Nostalgisch denke ich zurück an ferne Kindertage, als der Sommerduft noch Wildheit in mir weckte. In meinen Ohren klingt unser altes Kinderlied und ich summe leise vor mich hin.
Ringel rangel rose butter in der dose.
Doch ich bin nicht mehr allein. Ein altbekanntes Stimmchen hat sich zu dem Duft gesellt. Schmalz in den kasten morgen wolln wir fasten summt es im Einklang mit mir.
Ich halte an, sehe mich um, bin allein auf dem frostigen Weg. Übermorgen lämmlein schlachten das soll schreien mäh. Als komme es aus dem Nichts, schwirrt das Stimmchen durch den Wald. Es hallt wider an der kalten Winterluft, um dann im Frühlingshimmel zu verklingen. Mit gesenktem Kopf gehe ich weiter Richtung Heimat, auf der Suche nach dem Vergessen.
Es gibt kein Vergessen sagt das Stimmchen neben mir und als ich mich umdrehe, sehe ich sie endlich. An meiner Seite trippelt ein kleines Mädchen mit langem blondem Haar das dem Meinigen gleicht. Auf dem Kopf trägt sie einen Blumenkranz, der nach Sommer riecht. Unsichtbar sind die Abdrücke ihrer schwebenden Füßlein und sie summt noch immer mein Liedchen vor sich hin. Die Leichtigkeit in ihrem Gang und ihrer Stimme macht mich traurig und schwer. Es gibt kein Vergessen.
"Wo warst du so lange?" frage ich das kleine Mädchen vorwurfsvoll. Sie aber antwortet nicht, lacht nur glockenhell. Wut packt mich und ich schreie mit schriller Stimme: "Wo warst du so lange?" Meine kleine Begleiterin hüpft unbekümmert neben mir her.
Wie alt ich bin. Verbraucht. Müde. Leer. Kalt. Finster. Dunkelheit bricht über mich herein. "Du hast mich einfach allein gelassen" sage ich leise. Tränen kullern meine Wangen herunter. Ich war die ganze Zeit hier. Aber du wolltest vergessen.
Ich bleibe stehen, setze mich auf einen Baumstumpf, lasse den Tränen freien Lauf. Das Mädchen legt seine Hand auf meinen Kopf. Komm jetzt, gehen wir nach Hause, nun hast du mich ja wiedergefunden. Als ich in ihr liebliches Gesichtchen sehe, finde ich die Kraft aufzustehen, noch vorn zu sehen, meinen Weg fortzusetzen.
Meine kleine Begleiterin leuchtet mir mit dem Licht ihrer Fröhlichkeit. Ein Licht so hell, dass es meine Schatten vertreibt und selbst in meiner Seele ein kleines, längst verlorenes Lichtlein anzündet.
Ich nehme das Mädchen mit nach Hause und im Traum vereinen wir uns. Ohne das Vergessen kann ich endlich wieder frei sein.

Dienstag, 11. Oktober 2005

Fliegenvorhang

Oma Josefina hatte den neuen Fliegenvorhang entdeckt. Wie sie da so friedlich auf der Terasse stand, sozusagen vor der Haustuer ihres Enkels, und die nassen Sachen zum zigsten Mal umdrehte, damit sie schneller trockneten, fiel ihr etwas neues ins Auge. Der neue Fliegenvorhang eben.
Und da es beim Sachen-zum-zigsten-mal-umdrehen nicht so viel zu ueberlegen gibt, dachte sie ueber diese grosse Neuigkeit des Tages nach: Ihr Enkel und dessen faule Freundin hatten einen neuen Fliegenvorhang an der Haustuer angebracht! Und das jetzt, wo doch der Winter seine Faenge auszustrecken im Gange war.
Josefina wollte sich am Kopf kratzen, konnte aber gerade nicht, da sie ein grosses Handtuch in der einen Hand und zwei Waescheklammern in der anderen hielt.
Da musste sie doch gleich mal nachfragen, warum die beiden ausgerechnet in dieser kalten, fliegenfreien Jahreszeit einen Fliegenvorhang angebracht hatten.
Sobald das Handtuch also, natuerlich mit der anderen Seite nach oben und ueberhaupt total verkreuzt und verquert, wieder an seinem Platz hing, trippelte Josefina mit ihren Oemchenschuhen auf die Fliegenvorhang-besetzte Tuer zu.
Daniel rief sie. Daniel antwortete nicht. Daniel diesmal hob sie die Stimme noch etwas. Hmmm schallte es aus dem Zimmer was is'n? Daniel hoerte sich etwas schlaefrig an, aber Josefina stoerte sich nicht daran, schliesslich war es drei Uhr vorbei und die Mittagszeit war rum. Daniel rief sie noch einmal ich hab deinen Fliegenvorhang gesehen. Daniel antwortete nicht. Sie hob dementsprechend die Stimme Daniel, ich hab deinen neuen Fliegenvorhang gesehen!
Aus dem Zimmer toente ein Brummen, dann ein Schlurfen und dann ging die Tuer auf. Oma, was is'n los? Ich bin grad erst von der Arbeit gekommen und hab mich schlafen gelegt, gleich muss ich ausserdem schon wieder los. Also, was is denn so wichtig ?
So einen Fliegenvorhang macht man eigentlich im Sommer vor die Tuer sagte Josefina.
Und dafuer hast du mich jetzt geweckt ??
Ich hab den Vorhang gesehen und wollte nur eben sagen, dass man den eigentlich im Sommer aufhaengt. Im Winter gibt's doch gar keine Fliegen!
Ich hab ihn aber jetzt dran gemacht. Gibt's sonst noch was ?
Na, dann mach doch was du willst. Musst du jetzt los, soll ich dir ein Kaffee kochen ?
Nein, Oma, geht schon, ich mach schon selbst.
Hast du denn heut mittag auch gut gegessen ?
Klar.
was hat deine Freundin denn gekocht ?
OMA!
Ich frag ja nur. Dann bis spaeter.
Tschau.

Montag, 10. Oktober 2005

ENTSCHULDIGUNG...

Fuer Meine Abwesenheit Fuer das Nicht-Machen Meiner Hausaufgaben Fuer Meinen Husten Fuer Meinen Unglauben Fuer Meine Zweifel Fuer Die Unordnung Hier Fuer Meinen Hunger Fuer Meine Unfreundlichkeit Fuer Meine Wut Fuer Meine Weichheit Fuer Mein Leben Fuer Meine Faulheit Fuer Meine Angst Fuer Den Dreck Fuer Meine Haessliche Schrift Fuer Diesen Text Fuer Meine Haesslichen Finger Fuer Meine Haare Fuer Mein Strampeln Im Schlaf Fuer Die Brille Fuer Meine Agressivitaet Dass Ich Dich Nicht Gruesse Fuer Mich Fuer Den Gestank Fuer Mein Aussehen Fuer Meine Krankheit Dass Ich So Schnell Gehe Fuer Meine Lustlosigkeit Fuer Meine Arroganz Fuer Meine Langweiligkeit Fuer Meine Schweigsamkeit Dass Ich Dich Einfach Allein Lasse Fuer Meine Knochenknackerei Dass Ich Manchmal Gemein Werde Fuer Meine Schlaefrigkeit Fuer Meine Lesesucht Fuer Meine Arroganz Fuer Meine Einsamkeit Fuer Meine Liebe Dass Ich Nie Putzen Will Fuer Meine Schlauheit Fuer Meine Bessewisserei Fuer Meine Grausamkeit Fuer Meine Gleichgueltigkeit Fuer Meine Schuechternheit Dass Ich Nicht An Mich Glaube Fuer Meine Schnelllebigkeit Dass Ich So Inkonsequent Bin Fuer Meinen Aerger Fuer Meine Kaufsucht Fuer Meine Unordentlichkeit Fuer Mein Nicht-Kommen-Wollen Dass Ich Immer Allein Sein Will Fuer Alles Fuer Meine Langsamen Reaktionen Fuer Meine Dummheit Fuer Meinen Egoismus Fuer Meinen Egozentrismus Dass Ich Zu Spaet Komme Dass Ich Dir Kein Bonbon Anbiete Dass Ich Allein Esse Auch Wenns Dick Macht Fuer Meine Unhoeflichkeit Dass Mir Vieles Peinlich Ist Fuer Mein Staendiges Aufbrausen Dass Ich Nicht An Gott Glaube Fuer Meine Groesse Fuer Meine Schuhgroesse Dass Ich Nur An Mich Selber Denke Dass Mir Alles Egal Ist Fuer Meine Langschlaeferei Fuer Meine Persoenlichkeit Fuer Meine Lust Zum Schreiben Fuer Meine Hohen Erwartungen Fuer Meine Schuldgefuehle Dass Ich Mich Staendig Bedanke Dass Ich Mich Staendig Entschuldige ...

Dienstag, 4. Oktober 2005

Taschentuch- Brief

Ich schreibe hier auf einem Taschentuch, es ist so weich und rein.
Vielleicht ein wenig mitgenommen, beschmutzt worden auf dem Weg seines Lebens, bleibt es doch immer rein und sanft.
Es ist das Bild meiner Gefuehle fuer dich, die so rein und klar waren, anfangs, nur um dann, im Laufe ihres Daseins, Risse zu erleiden, befleckt, beschmutzt zu werden.
Ich schreibe diesen Brief auf meinen eigenen Gefuehlen, die, genau wie dieses Taschentuch, trotz allem noch das bleiben, was sie sind und waren und immer sein werden.

Liebe.

Experimente einer jungen Schreiberline

O NO! Meine Feder hat sich selbststaendig gemacht!!

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Ein leeres Blatt Papier
Ein leeres Blatt Papier ist so ein undankbares Ding Ganz...
Q-fleck - 13. Dez, 15:43
Schöööön.....
Schöööön.....
Knutsch_kugel - 29. Nov, 17:26

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